Nachhaltige Regenwasserversickerung

Durch eine nachhaltige Versickerung von Regenwasser können Sie auch noch die Niederschlagswassergebühren für immer sparen!

Machen Sie mit!

Was bedeutet ökologische nachhaltige Regenwasserversickerung?

Bei einer nachhaltigen Regenwasserversickerung sind neben der technischen Planung und Umsetzung für die Zukunft weitere ökologische Fragen zu berücksichtigen. Bisher gilt eine begrünte und belebte „Rasenmulde“ mit Versickerung über die Oberbodenzone nach den technischen Regeln als die Ideallösung zur Reinigung und Versickerung von Niederschlagswasser und zum Grundwasserschutz. Die Regelwerke (z.B. DWA-A 138) gelten auch weiterhin und sind zu beachten.

Dabei bietet diese, wie auch eine gepflegte Rasenfläche, für die Faktoren

  • Artensterben
  • Biodiversität
  • Klimawandel

leider keinen bzw. nur einen sehr geringen Nutzen für diese ökologischen Punkte. Demnach ist festzuhalten, dass die rein technische Umsetzung der Versickerung nach den geltenden Normen und technischen Regeln allein nicht mehr den heutigen ökologischen Ansprüchen entspricht und somit als „veraltet“ in Bezug auf diese Punkte bezeichnet werden kann (s. Artikel Quelle [1]).

Hier zunächst noch einmal einige Informationen zur Planung und Dimensionierung gem. Regelwerk DWA-Arbeitsblatt DWA-A 138.

Welche Bedingungen müssen für eine Versickerungsmulde erfüllt sein?

Hier die wichtigsten technischen Punkte, auf die Sie achten müssen:

  1. ausreichende Bodendurchlässigkeit im Untergrund (ideal: Sandboden)
  2. bis 30 cm mächtige bewachsene Oberbodenschicht bei einer Mulde (kf ca. 1-2*10-5 m/s)
  3. Platz für die Versickerungsanlage (ca. 5-15 % der versiegelten Fläche/Dachfläche)
  4. und Abstand zur Grenze (2 m), zum Haus ca. 2-3 m (1 m + 1,5 x Kellertiefe)
  5. der Grundwasserhöchststand (MHGW) ist zu beachten (Abstand tiefer 1-1,5 m)
  6. die Bedingungen der örtlichen Kommune sind zu erfüllen (ggf. Antragsformular)
  7. und weitere Rahmenbedingungen sind dann vor Ort zu klären

Den stärksten Einfluss auf die Regenwasserversickerung und die Dimensionierung von Versickerungsanlagen hat die Bodendurchlässigkeit (kf-Wert). Mit einem Versickerungsversuch auf dem Grundstück kann die örtliche Bodendurchlässigkeit ermittelt werden. Die Bodenschichten (z.B. eine vorhandene Deckschicht) und der Grundwasserflurabstand sind u.a. bei der Planung zu beachten und vor Ort zu ermitteln.

Dimensionierung einer Versickerungsanlage

Als Eingangsdaten sind standortabhängig die Größe, Neigung und Material der Dach- oder sonstigen versiegelten Flächen, Starkregen-Niederschlagsreihen am Ort (Regenspenden nach DWD-KOSTRA 2020) sowie die Bodendurchlässigkeit (kf-Wert) erforderlich. Die Dimensionierung erfolgt nach den technischen Regeln Arbeitsblatt DWA-A 138 noch mit einigen weiteren Parametern und ergibt das erforderliche Speichervolumen für die Versickerungsanlage (z.B. Mulde).

In der umfangreichen Broschüre der Stadt Freiburg [2] sind die Themen rund um die Regenwasserbewirtschaftung (u.a. Versickerung) mit zahlreichen Fotos und Tabellen erläutert. Es wird auch auf die Möglichkeit der Bepflanzung hingewiesen. In der folgenden Tabelle sind einige allgemeine Beispiele zur Gestaltung einer Muldenbepflanzung dargestellt. Eine genauere Auswahl der Bepflanzung kann nur mit Kenntnis der Standortbedingungen und mit Fachkenntnis getroffen werden.

Tabelle aus [2]

Versickerungsmulde ohne Oberboden – Ein neuer Ansatz?

Es folgt ein Diskussionsvorschlag (s. Quelle [1])

Eine andere Art von Versickerungsmulden sind die so genannten „Raingardens“ (Regengärten). Die Versickerung erfolgt hierbei ebenfalls in einer Mulde, allerdings mit besonderem eingebauten Substrat und Bewuchs. Die Mulden werden vorzugsweise mit Wildpflanzen bepflanzt, die einen ökologischen Mehrwert haben und auch noch einen Zierwert aufweisen. Die ausgewählten einheimischen Pflanzen sind an wechselfeuchte Bodenverhältnisse angepasst und vertragen auch längere Trockenzeiten.

Beim herzustellenden Substrataufbau unterscheiden sich diese „Mulden“ nach dem neuen ökologisch nachhaltigen Ansatz von der konventionellen Form mit Oberboden (s. [1]).

Aufbau dieser ökologisch nachhaltigen und naturnahen mineralischen Versickerungsmulde

Die oberste Schicht besteht aus einer durchlässigen, 20-30 cm mächtigen Schicht mit Kies/Sand oder Kalkschotter (0/32), auch Kies 0/X, in die oben 2-3 cm Grünschnittkompost eingearbeitet wird. Auch Sand und Steine können verwendet werden. Diese Schicht bildet einen natürlichen Bodenaufbau nach und dient den einheimischen Pflanzen als Standort, überwiegend als Trockenstandort. Diese Substratschicht ist wasserdurchlässiger als der konventionelle “begrünte Oberboden“ und bietet den Pflanzen einen besseren Standort für mehr Artenvielfalt.

Als eine weitere Schicht darunter folgt z.B. eine verdichtete Lehmschicht von ca. 20-30 cm. Sie dient als “Stauhorizont“ mit verzögerter Versickerung dazu, dass bei längerer Trockenheit noch Restfeuchtigkeit für die Pflanzen verfügbar ist. Hier können lokal wechselfeuchte Bereiche, ggf. auch angrenzend ein kleiner Teich als Feuchtbiotop angelegt werden.

Diese beiden neuen Bodenschichten sollen die oben beschriebene, mit Rasen begrünte Oberbodenschicht der Mulde aus Mutterboden ersetzen.

Anmerkung

Bei diesem Bodenaufbau fehlt die nach DWA-A 138 erforderliche bewachsene und belebte Oberbodenschicht, was der Richtlinie widerspricht und die beabsichtigte Filterwirkung z.T. stark verringert. Für eine Flächenversickerung z.B. in einem naturnah gestalteten Garten ist diese Variante des Bodenaustausches denkbar. Ob sie sich in der in Überarbeitung befindlichen Richtlinie Arbeitsblatt DWA-A 138-1 für Versickerungsmulden wiederfindet, bleibt zu bezweifeln und ist z.Zt. offen.

Die Ansicht ist aus der einseitigen Sichtweise für Artenvielfalt und schönen Optik zu vertreten, aber der Grundwasserschutz wird damit nicht erfüllt, auch wenn die Versickerung auf diese Weise funktioniert (?). Wie die Dimensionierung (kf-Wert ?) in diesem Fall insbesonders mit einer verdichteten Lehmschicht erfolgt, bleibt mir unklar, ebenso die Frage der Genehmigung dieser Ausführungsart.

Bepflanzung und Pflege

Für die naturnahe Bepflanzung auch derer mit o.g. Oberboden eignen sich einheimische, standortgerechte Arten von Wildblumen und Stauden. Auf den Internetseiten der Quellen [4] und [5] finden Sie weitere Anregungen und Bilder zur naturnahen Gestaltung und Bepflanzung Ihres Naturgartens und Ihrer Versickerungsmulde.

Siehe auch meinen Beitrag: Muldenversickerung – Einfluss von Pflanzenarten auf die Versickerungsleistung und die Seite Naturnahe Bepflanzung.

Siehe auch dazu meine Seiten Schottergärten und Steingärten.

Ausblick

Der ökologisch nachhaltige Ansatz der Versickerung mit einer naturnahen Bepflanzung soll u.a. auch in Freiburg in dem Projektrahmen Unser Klimaquartier Waldsee umgesetzt werden. In der Gruppe für naturnahe Regenwasserbewirtschaftung: Projektgruppe Regenwasser Waldheim (Regiowasser e.V.) werden dazu aktuell das Verbesserungspotential im Stadtteil Waldsee analysiert und Aktionen geplant. Die Recherchen und Vorbereitungen für die Versickerung sind abgeschlossen und bald könnten die ersten Versickerungsmulden als Pilotprojekte gebaut werden.

Dazu werden noch Interessenten für die ersten Pilotprojekte gesucht. Zum Beitrag Projekt Freiburg-Waldsee.

Quellen

[1] Dr. Reinhard Witt in Neue Landschaft 07/2021: Regenwassermanagement Versickerungsmulden ohne Oberboden – ein Novum?

[2] Freiburg in Breisgau 01/2016: Naturverträgliche Regenwasserbewirtschaftung, 52 S. Merkbatt Versickerung

[3] Amtsblatt Freiburg 03/2012: Aktuelles zum Naturschutz, Natur in Freiburg: Naturgärten (3 S. als pdf)

[4] Dr. Reinhard Witt: https://www.reinhard-witt.de/aktuelle-projekte/nachhaltige-gruenflaechen/

[5] NaturGarten e.V.: https://naturgarten.org/wissen/was-ist-ein-naturgarten/

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