Versickerungsversuch durchführen

Einen Versickerungsversuch selbst durchführen

Hier wird ein In-Situ-Versickerungsversuch nach meiner bewährten Methode mit einem Versickerungsrohr (Abflussrohr DN 125, Länge 0,50 m) in einer kleinen gegrabenen Grube beschrieben (Anleitung und Auswertung in eBook Teil 1 bzw. Teil 1+2). Der Versickerungsversuch wird unter instationären Verhältnissen, d.h. mit fallendem Wasserstand (Druckspiegel) durchgeführt (s. Versuchsanordnung).

Dieser Versickerungsversuch eignet sich für durchlässige Böden ohne vorhandene Deckschichten (z. B. Lösslehm, Geschiebelehm oder Auelehm). Dann kann der Versuch oberflächennah wie beschrieben durchgeführt werden und der kf-Wert für die Berechnung einer Muldenversickerung verwendet werden. Bei vorhandenen Deckschichten sind diese nicht geeignet und die tieferen Bodenschichten müssten untersucht werden.

Dann könnte ein Versickerungsversuch in größerer Tiefe z.B. für eine Rigole durchgeführt werden. Dafür kommt u.a. ein Versickerungsversuch in einem entsprechenden Baggerschurf oder ein open-end-test in einer Sondierung in Frage. Dazu sehen Sie ein Beispiel hier, allerdings oberflächennah im Mutterboden (nur testweise durchgeführt). Eine komplette Beispieluntersuchung in einer Sondierbohrung mit Versuchsauswertung sehen Sie hier: open-end-test instationär.

Versickerungsversuch vorbereiten

Materialliste: Diese Liste können Sie als pdf-Datei herunterladen.

Und dazu ist noch eine Wasserquelle (Wasseranschluß mit Schlauch, ggf. Behälter oder Faß) erforderlich. Es ist je nach Durchlässigkeit mit ca. 60 bis über 100 Litern zu rechnen.

Materialliste für Versickerungsversuch
  1. Versickerungsgrube ausheben: Die Grube sollte die Größe eines Würfels mit 40 cm Kantenlänge haben und/oder mindestens bis zur Basis des Mutterbodens reichen. Es sollten auch keine Steine mehr vorkommen, sie würden den Einbau des Versickerungsrohres behindern. Die Basis ist als ebene Fläche herzustellen.
Versickerungsgrube 40 x 40 x 40 cm

2. Versickerungsrohr einbauen: Die Länge des Versickerungsrohres ist genau zu messen und zu notieren (hier LR = 575 mm), bei 20 cm von unten ist eine Markierung anzuzeichnen.

Mit leichten Schlägen auf eine aufgelegte Holzplatte ist das Versickerungsrohr bis zur Markierung in den Boden zu treiben. Es kann, je nach Länge, auch über die Grube herausstehen. Entscheidend ist die genaue, tatsächliche Sickerstrecke, hier L = 20 cm.

Das Rohr sollte jetzt fest und senkrecht stehen. Der Boden um das Rohr ist ggf. leicht anzudrücken. Innen ist ggf. loser Boden mit der Hand anzudrücken. Die freie Höhe ho ist innen zu kontrollieren, hier 37,5 cm bis zum oberen Rand.

Versickerungsversuch durchführen

Vorab die Versickerungsgrube vorwässern, auch im Rohr. Nach ca. 15 bis 60 Minuten (bzw. Versickerung von ca. 50 bis 60 Litern) kann mit den Messungen begonnen werden. Bei gut durchlässigem Sandboden geht das sehr viel schneller.

Tipp: Starten Sie zu einem glatten Minutenwert (z.B. 14:10).

Parallel wird der Wasserstand in der Versickerungsgrube bis etwa bei -5 cm unter GOK bzw. unterhalb des Rohres gefüllt und dann durch gedrosselten Wasserzulauf konstant auf einer Höhe gehalten, die etwa dem unteren Stand bei den Messungen entspricht.

In der Abbildung ist abweichend zur Beschreibung ein Versickerungsversuch unter stationären Bedingungen bei konstantem Wasserstand zu sehen.

Versickerungsversuch mit automatischer Dosierpumpe (stationäre Bedingungen)

Geländeprotokoll: Das Protokoll ist als programmiertes Tabellenblatt vorbereitet und kann vorab als pdf-Datei heruntergeladen werden. Dort tragen Sie die Messwerte ein (Hier für 10 Messungen vorbereitet).

Geländeprotokoll Versickerungsversuch

Es werden i.d.R. mindestens 10 Messungen durchgeführt: Das Versickerungsrohr wird zum Startzeitpunkt randvoll gefüllt. Nach einem gewählten Zeitintervall (abhängig vom kf-Wert) wird mit einem Messgefäß wieder randvoll nachgefüllt und die Menge/Zeit abgelesen und notiert (= instationärer Versuch).

Die Wassermenge sollte im Bereich von einigen 100 ml bis max. 1 Liter liegen. Sie ist möglichst genau abzulesen, hier auf 10 ml. Evtl. verringert sie sich bei gleichen Zeitintervallen mit zunehmender Dauer. Die letzten Werte sollten dann etwa konstant bleiben. Aus den letzten 4 Werten wird in der Auswertung automatisch der End-Mittelwert gebildet.

Ausgefülltes Messprotokoll mit Ergebnis

Die Auswertung erfolgt sofort nach der Dateneingabe automatisch in der Tabelle.