Laboruntersuchungen: Siebanalyse
Siebliniendiagramme
Im Labor werden die Bodenproben mittels Siebanalyse zur Ermittlung der Korngrößenverteilung und Bestimmung des kf-Wertes untersucht.
Die Sieblinie ist eine Durchgangs- oder Summenkurve, mittels derer die Korngrößenverteilung eines Bodens, Sedimentes oder Sedimentgesteins im Ergebnis grafisch dargestellt wird. Sie wird durch Sieben der Probe ermittelt, wobei Siebe mit sukzessive abnehmender Maschenweite verwendet werden und jede Maschenweite einer bestimmten Korngröße entspricht.
Vorher werden die Feinanteile von der Sand- und Kiesfraktion durch Auswaschen mit 0,063 mm Lochweite getrennt. Diese kleinsten Korngrößen (Schluff und Ton) werden, statt durch Sieben, durch Schlämmung weiter getrennt. Die eigentliche Siebung erfolgt als Trockensiebung.
Die Abbildungen zeigen einige der verwendeten abgestuften Siebe, die übereinander gestapelt werden (oben große und unten kleine Maschenweiten).


Die Sieblinienkurve ist eine Summenkurve, das heißt, sie stellt die Korngrößenverteilung kumulativ (aufsummiert) der Massenanteile dar. Daher verläuft sie stets von links unten nach rechts oben.
In einem Siebliniendiagramm werden die Korngrößenverteilungen (Kornfraktion) in % in Abhängigkeit vom Korndurchmesser auf einer logarithmischen x-Achse dargestellt. Je steiler die Linie verläuft, desto besser ist das Sediment sortiert (enggestuftes Material, z.B. Dünensand, s. unten).
Das 1. Diagramm zeigt typische Kurvenverläufe für 5 verschiedene idealisierte Sedimente. Für Verwitterungslehm ist die Streuung von „sehr fein“ bis in den Bereich von Kies an Größten. Unterhalb von 0,06 mm wird die Kornfraktion durch eine Schlämmanalyse ermittelt.
Der an der Oberfläche weit verbreitete Löß bzw. Lößlehm hat hier ca. 90 % Feinmaterial (Ton und Schluff < 0,06 mm) und weist in der Praxis kf-Werte im Bereich von 10-7 bis 10-9 m/s auf.

Die Körnungslinien für weitere Sedimente im 2. Diagramm:
- sandiger Ton
- toniger Schluff
- Lehm
- Schluff
- Geschiebelehm
- Sand
- sandiger Kies
- Kies

Diagramm 3 zeigt eine Auswahl klastischer Sedimente:

Hier ist z.B. auf den sehr gut klassierten, feinkörnigen Dünensand hinzuweisen.
Anmerkung: Fehler in der Dimension Korndurchmesser = [mm].
Diagrammauswertung
Ungleichförmigkeitszahl CU
Die Form einer Sieblinie kann numerisch durch die Ungleichförmigkeitszahl CU und die Krümmungszahl CC ausgedrückt werden. „Breite“ Sieblinienkurven mit geringem Anstieg (CU > 6) zeigen, dass die Probe ein relativ breites Korngrößenspektrum hat, das heißt, sie enthält viele verschiedene Kornfraktionen und diese in annähernd gleichen Anteilen (z.B. Verwitterungslehm, Geschiebelehm).
Der zahlenmäßige Ausdruck für die Ungleichförmigkeitszahl ist dimensionslos: CU = d60/d10. Dabei sind 3 Bereiche zu unterscheiden:
- CU > 15 sehr ungleichförmiger Boden
- CU = 5 – 15 ungleichförmiger Boden
- CU < 5 gleichförmiger Boden
Krümmungszahl CC
Die Krümmungszahl CC ist einer der Kennwerte der Bodenmechanik und wird berechnet aus der Korngröße (Durchmesser) der Siebkurve bei 10, 30 und 60 %:
CC = (d30)² / d10*d60
Ungleichförmigkeits- und Krümmungszahl einer Probe sind zudem Kenngrößen für die Bestimmung der Wasserdurchlässigkeit (Permeabilität) des Bodens oder Gesteins, dem die Probe entstammt. Die Steigung der Körnungslinie gibt die Gleichförmigkeit bzw. Ungleichförmigkeit eines Bodens an und erteilt auch Auskunft über die Verdichtbarkeit und Frostempfindlichkeit nicht bindiger bis schwach bindiger Böden.
wirksamer Korndurchmesser d10
Für die Permeabilität gilt aber schon der sogenannte wirksame Korndurchmesser d10, jene Korngröße, bei der die Siebkurve die 10-Prozent-Marke schneidet, als guter Indikator. Er ist die Berechnungsgrundlage in mehreren empirischen Gleichungen zur Berechnung des kf-Wertes.
Der kf-Wert kann nach der empirischen Gleichung von HAZEN ermittelt werden: kf = C * d10² [m/s]. Dabei ist die Konstante C nach HARTGE eine Funktion des Ungleichförmigkeitsgrades CU. Sie kann in erster Näherung gleich 1/100 gesetzt werden (für U < 5 gilt CU = 0,0116).
Anwendungsbereich: 0,01 mm < d10 < 3 mm; U < 5.
Für CU < 5 gilt auch nach HAZEN: kf = 0,0116 * d10² (d10 in mm, kf in m/s).
I.d.R. ist für die Auswertung die Ermittlung der Korndurchmesser d10, d30, d50 und d60 aus der Grafik erforderlich. Dabei gibt d50 den Medianwert für die Probe an.
Auswertung nach HAZEN
Die empirische Gleichung nach HAZEN gilt streng nur für CU < 5 und ist damit nur eingeschränkt für ungleichförmige Proben anwendbar. Für Bereiche mit CU > 5 ist die Gleichung nach Beyer anzuwenden, die einen differenzierteren angepassten Faktor C enthält (s.u.).
d10 = 0,15 mm, d60 = 0,30 mm => CU = 0,30 / 0,15 = 2,0
Auswertung nach HAZEN:
kf = 0,0116 * 0,15² = 2,6*10-4 m/s
Das Ergebnis entspricht etwa dem Flussbettsand in Diagramm 3.
Für einen eng gestuften Dünensand gilt etwa:
d10 = 0,10 mm, d60 = 0,20 mm => CU = 0,20 / 0,10 = 2,0
Auswertung nach HAZEN:
kf = 0,0116 * 0,10² = 1,16*10-4 m/s
Auswertung nach Beyer
Der kf-Wert kann nach der empirischen Gleichung von Beyer ermittelt werden: kf = C * d10² [m/s]. Dabei ist hier die Konstante C vom Ungleichförmigkeitsgrad CU abhängig:
CU = 1,0 – 1,9: C ~ 0,0110
CU = 2,0 – 2,9: C ~ 0,0100
CU = 3,0 – 4,9: C ~ 0,0090
CU = 5,0 – 9,9: C ~ 0,0080
CU = 10 – 19,9: C ~ 0,0070
CU < 20: C ~ 0,0065
Anwendungsbereich: 0,06 mm < d10 < 0,6 mm; 1 < U < 20
d10 = 0,07 mm, d60 = 0,46 mm => CU = 0,46 / 0,07 = 6,6
Auswertung nach Beyer:
kf = 0,0080 * 0,07² = 3,9*10-5 m/s
Das Ergebnis entspricht einer realen Probe eines glazifluviatilen Schmelzwassersandes (Diagramm 4).

Diagramm 4: Körnungslinie eines Schmelzwassersandes
[Methode nach Seelheim]
Der kf-Wert nach Seelheim (1880) ist eine empirische Formel aus der Bodenmechanik, um den Durchlässigkeitsbeiwert eines Bodens direkt aus der Kornverteilung (Sieblinie) zu berechnen. Sie eignet sich primär für ungebundene Sande und Kiese, ist aber veraltet und wird heute seltener angewendet als modernere Verfahren wie die nach Beyer.
Die Methode ist nur für Korngemische mit einer Ungleichförmigkeitszahl von U < 5 sinnvoll (s. Beispiel unten). Die Formel berücksichtigt bindige Anteile (wie Ton oder Schluff) nicht ausreichend, weswegen die tatsächlichen Versickerungswerte oft um ein bis zwei Zehnerpotenzen geringer ausfallen können als berechnet.
Da es sich um eine rein empirische Formel handelt, können die Ergebnisse stark von der Realität abweichen. Für exaktere Werte in der Praxis werden oft andere Verfahren (z.B. nach Beyer oder Hazen) herangezogen oder Versickerungsversuche vor Ort durchgeführt.
Die ursprüngliche Zahlenwertgleichung nach Seelheim zur Berechnung des Durchlässigkeitsbeiwerts in m/s lautet: kf = 0,00357 * d50² [m/s]:
d50 = 0,10 mm, d50 = 0,18 mm, d60 = 0,20 mm => CU = 0,20 / 0,10 = 2,0
Auswertung nach Seelheim für den Dünensand (s.o.):
kf = 0,00357 * 0,18² = 1,16*10-4 m/s
d10 = 0,15 mm, d50 = 0,25 mm, d60 = 0,30 mm => CU = 0,30 / 0,15 = 2,0
Auswertung nach Seelheim für den Flussbettsand (s.o.):
kf = 0,00357 * 0,25² = 2,2*10-4 m/s
d10 = 0,07 mm, d50 = 0,33 mm, d60 = 0,46 mm => CU = 0,46 / 0,07 = 6,6
Auswertung nach Seelheim für den Schmelzwassersand (Diagr. 4):
kf = 0,00357 * 0,33² = 3,9*10-4 m/s
Die Formel nach Seelheim liefert für die beiden ersten Beispiele (CU = 2,0) gleiche bis ähnliche Ergebnisse für den kf-Wert.
Für den Schmelzwassersand (CU liegt oberhalb von 5) ergibt sich hier ein um eine Zehnerpotenz höherer kf-Wert.
Weitere Auswertungsformeln und Beispiele s. Auswertung-Kornsummenkurve
