Versickerung bei Gefälle

Der Bau einer Versickerungsmulde ist auch bei leichtem Gefälle des Grundstücks möglich

Versickerungsmulde ist erste Wahl

Eine Versickerungsmulde ist für viele Fälle die kostengünstigste Lösung, das Niederschlagswasser von Dachflächen und ggf. von gepflasterten Wegen oder auch vom Garagendach auf dem eigenen Grundstück zu versickern. Damit entfällt der Anschluss an den Regenwasserkanal, der mancherorts auch gar nicht vorhanden sein kann.

Neben dem für die Versickerung geeigneten Boden bzw. Untergrund muss auf dem Grundstück allerdings auch ausreichend und geeigneter Platz vorhanden sein. Als Faustregel sind etwa 10 bis 20% der versiegelten Flächen für eine Versickerungsmulde anzunehmen, bei gut durchlässigem Boden eher weniger, bei schlechteren Bodenverhältnissen eher mehr. Der Nachweis und die Berechnung erfolgt durch ein Gutachten zur Versickerungsfähigkeit.

Bei einer relativ ebenen Fläche ist die Platzierung einer Versickerungsmulde prinzipiell an jedem Ort auf dem Grundstück möglich. Sie sollte jedoch in der Nähe zu den Regenfallrohren liegen, damit die Zuleitungen nicht zu lang werden. Sonst könnte es zu einem Problem mit dem Gefälle bei großen Abständen auf ebenem Gelände kommen.

Versickerungsmulde bei Hanglage

Aber was ist zu tun, wenn das Baugrundstück nicht eben ist und sich an einer Hanglage befindet?

Bei einer Hangneigung bis 10% ist zunächst grundsätzlich von einer Eignung zur Versickerung des Niederschlagswassers über eine Versickerungsmulde auszugehen. Im Idealfall fällt das Grundstück hinter dem geplanten Haus hangabwärts ab. Dann kann das natürliche Gefälle auch gut zur Ableitung der Niederschläge genutzt werden. Generell sollte die Versickerungsmulde hangparallel angelegt werden, damit das Sickerwasser auf eine größere Breite verteilt wird.

Steigt das Gelände hinter dem Haus an, ist bergauf leider eine Versickerung kaum möglich. Evtl. ist aber seitlich oder unterhalb vor dem Haus noch ausreichender Platz für eine oder mehrere kleine Mulden vorhanden.
Mulde am Hang bei leichtem GefälleAbbildung 1: Versickerungsmulde bei leichten Geländegefälle (ca. 3,5%)

Bei stärkerem Gefälle ist im Einzelfall der Standort genauer ingenieurgeologisch zu untersuchen. Zwischen 15 und 30% ist nur noch bedingt von einer Eignung zur Versickerung auszugehen. Hangrutschungen könnten aufgrund von Bodenvernässungen durch die Versickerung ausgelöst werden. Sie werden ab 20% Hangneigung vermehrt beobachtet. Ab 30% Hangneigung ist in Baugebieten die Regenwasserversickerung auszuschließen.

Empfehlung bei Hanglage

Bei Hangneigungen sind unterschiedliche Anforderungen an den Bau der Versickerungsmulde zu stellen. Es gilt folgende Empfehlung:

  • 0 bis 2%: keine Einschränkung
  • 2 bis 5%: Länge auf 3-10 m hangabwärts begrenzen
  • 5 bis 10%: hangparallele Anordnung
  • > 10%: ggf. Sonderbaumaßnahmen erforderlich

In allen Fällen gilt, dass die Regenwasserversickerung hangabwärts des Hauses erfolgen soll und dass zu unterhalb liegenden Gebäuden, insbesondere mit Keller, ein ausreichender Abstand vorzusehen ist, um in beiden Fällen eine Vernässung zu vermeiden. Dabei ist auch der tiefere Untergrundaufbau, insbesondere bei wechselnden Schichten mit Stau- oder Sickerwasser über Ton, Mergel oder Festgestein, besonders zu begutachten.
Mulde am Hang bei mittlerem GefälleAbbildung 2: Versickerungsmulde bei mittlerem Geländegefälle (ca. 7%)

Was tun, bei stärkerer Hangneigung?

Bei kleinen Grundstücken, wenn es auf jeden Meter ankommt, oder bei Hangneigungen über 10%, können durch angepasste Sonderbaumaßnahmen individuelle Lösungen erreicht werden.

Die Lösung: Kaskadenversickerung

Es kann sich z.B. eine Aufteilung der Fläche der Versickerungsmulde in zwei oder drei Teilmulden mit einer kaskadenförmigen Anordnung bei gleichem Gesamtvolumen empfehlen. Der Überlauf erfolgt erst bei gefüllter erster Teilmulde in die Zweite (ggf. danach auch noch von der Zweiten in die Dritte). Durch die Anordnung als Kaskadenmulden kann das Hanggefälle beim Bau besser ausgenutzt werden und der Überlauf erfolgt auch von selbst.

Zwischen den Teilmulden muss allerdings ein Damm aus einer gering durchlässigen Sperrschicht eingebaut werden, damit keine seitliche Durchsickerung und Bodenausspülung erfolgt. Der Überlauf sollte kontrolliert über ein Rohr erfolgen und der Muldenrand am Zulauf gegen Erosion durch eine grobe Kieslage geschützt sein.
Mulde am Hang bei stärkerem Gefälle als KaskadenmuldeAbbildung 3: Kaskadenmulden bei stärkerem Geländegefälle (ca. 12%)